Auf der Jahreshauptversammlung der ArGe Jugoslawien am 10. Januar 2014 im Maredo Köln-Rudolfplatz wurde der Vorstand neu gewählt. Zu dem Treffen kamen 24 Teilnehmer aus Berlin, Belgrad (Serbien), Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Stuttgart und Wiesbaden. Festredner war der Belgrader d´Or-Autor Predrag Antic, der zu seiner Sammlung Fürstentum Serbien sprach. Das neue „Transnationale Netzwerk der Balkanphilatelie“ besteht aus 130 Fachleuten aus ganz Europa, insbesondere Deutschland und ex-Jugoslawien. Es wird von der in Bonn ansässigen Stiftung zur Förderung der Philatelie und Postgeschichte unterstützt.

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Es gibt wohl in Europa kein vielfältigeres Sammelgebiet als das Land, das bis 1991 Jugoslawien war. Ein Sammelgebiet? Nein, es sind derer viele, mit denen sich die ArGe Jugoslawien

und Nachfolgestaaten beschäftigt: Von den Zeiten des alten Serbiens und der K.u.K-Monarchie über das SHS-Königreich, den "Unabhängigen Staat Kroatien" während
des Zweiten Weltkriegs und das "alte" Jugoslawien bis hin zu den Nachfolgestaaten lässt sich ein eigener, dicker Katalog zusammenstellen, in dem auch zahlreiche Besatzungsausgaben
ihren Platz beanspruchen und so ist der Typus des Jugoslawien-Sammlers, der vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart alle Gebiete und Untergebiete sammelt, eher die große Ausnahme.
 
Die meisten Philatelisten suchen sich aus dem großen Angebot etwas heraus.
 
Altserbien zum Beispiel, zunächst ein Fürstentum unter türkischer Oberhoheit und später ein unabhängiges Königreich, dessen erste Ausgaben im Jahr 1866 erschienen.
 
Die klassischen Marken Serbiens sind dabei noch durchaus erschwinglich, die Möglichkeit zur Spezialisierung durch Poststempel, Papiersorten und Zähnungen vielfältig. 
 
Stichwort Poststempel: Für den deutschen Sammler ergibt sich natürlich zunächst das Problem, die bis heute in Serbien verwendete kyrillische Schrift zu entziffern - Doch dazu bedarf es nur einiger Übung - China- oder Arabien-Sammler haben es sicher schwerer.
 
1918 entstand der erste gemeinsame Staat, der sich "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen" (SHS) nannte. Erst drei Jahre später erschienen gemeinsame Marken für das ganze Land, ab 1929 hieß das Königreich "Jugoslawien", das Land der Süd-Slawen also. 1941 verlor Jugoslawien seine Unabhängigkeit, es war bis 1944/ 45 besetzt von deutschen und italienischen Truppen. Durch diese Besetzung überschneiden sich die Sammelgebiete Deutschland und Jugoslawien: Die Besetzungsmarken z.B. von Serbien oder Zara finden sich im Deutschland-Katalog.
Nach dem Krieg folgte eine über 40-jährige vergleichsweise friedliche Zeit des kommunistischen Tito-Staates,  mit vielen reizvollen Motivmarken, die auch heute noch zu günstigen Preisen zu bekommen sind. Mit dem Frieden vorbei war es Anfang der 90er-Jahre; Schon im Jahr 1990 gab es in der Teilrepublik Kroatien die ersten Unruhen, im Frühjahr 1991 begann ein Bürgerkrieg, der sich rasch über große Teile des bisherigen Jugoslawiens ausbreitete. Zunächst waren es Kroatien und Slowenien, die sich für unabhängig erklärten und eigene Marken ausgaben, dann folgte Bosnien-Herzegowina, in dessen Hauptstadt 1993 während der Belagerung durch bosnisch-serbisehe Truppen die ersten eigenen Marken erschienen. Im Schatten des Krieges entstanden neue Sammelgebiete, die Republik Serbische Krajina zum Beispiel, ein serbischer Pseudostaat auf dem Gebiet Kroatiens, der vielen CEPT-Sammlern durch die eigenen, in niedrigen Auflagen erschienenen Europa-Marken bekannt ist. Reizvoll für Spezialisten ist auch die Feldpost der zahlreichen Friedenstruppen auf dem Gebiet des früheren Jugoslawiens - so befinden sich bis heute deutsche Feldpostämter im Kosovo.
 
Die Folgen des Krieges sind auch für Philatelisten noch offensichtlich: Das "alte" Jugoslawien existiert nicht mehr, dafür gibt es neun Postdienste und damit Sammelgebiete auf dessen früherem Gebiet: Ganz im Norden Slowenien, das 2004 als bisher einzige ehemalige Teilrepublik Jugoslawiens der Europäischen Union beigetreten ist und das offiziell zur Eurozone gehört. Sloweniens
südöstlicher Nachbar Kroatien soll am 1. Juli 2013 der 28. Mitgliedsstaat der EU werden. In Bosnien gibt es gar drei Postverwaltungen: Neben der bosnisch-muslimischen Post in Sarajevo geben auch die bosnischen Serben (Republika Srpska) und die bosnischen Kroaten eigene Marken aus. Serbien und Montenegro, die bis 2006 noch ein gemeinsamer Staat waren, gehen in zwischen getrennte Wege und geben eigene Marken aus - Montenegro-Marken erscheinen in Euro-Währung, das Land hat - ebenso wie das seit 2008 unabhängige Kosovo den Euro als Währung übernommen, ohne zur Eurozone zu gehören. Auch an Kuriositäten fehlt es nicht: So gibt es in der Republik Kosovo in von Serben kontrollierten Orten noch immer Postämter, die serbische Marken verwenden.
Kein Zweifel: Bis zum heutigen Tage bieten die Sammelgebiete des ehemaligen Jugoslawiens eine Vielfalt, die den Sammler vor eine nicht einfache Entscheidung stellt.
 
Was alles soll er sammeln?
 
Egal, was er auswählt: Die Arge  Jugoslawien bietet ihm (oder ihr) in jedem Fall eine sammlerische Heimat.

 

 

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